Sitzhöhe und Sitztiefe im Wohnzimmer richtig messen
Beim Sofakauf achten die meisten Menschen auf Farbe, Stoff und Preis. Die Sitzhöhe und die Sitztiefe werden dabei oft übersehen, obwohl genau diese beiden Maße darüber entscheiden, ob man nach einem langen Abend auf dem Sofa entspannt aufsteht oder mit einem ziehenden Gefühl im unteren Rücken. Die Sitzhöhe beschreibt den Abstand zwischen Boden und Oberkante der Sitzfläche. Sie sollte bei einem normalen Wohnzimmersofa zwischen 42 und 48 Zentimetern liegen. Wer deutlich kleiner oder größer ist, braucht entsprechend andere Werte. Bei einer zu niedrigen Sitzfläche sinken die Knie unter die Hüfte, das Becken kippt nach hinten und die Wirbelsäule verliert ihre natürliche S-Form. Bei einer zu hohen Fläche liegen die Oberschenkel nicht mehr vollflächig auf, der Druck verteilt sich auf einen schmalen Streifen und die Muskulatur muss permanent gegenhalten.
Die Sitztiefe ist der zweite kritische Wert. Sie misst vom vorderen Rand der Sitzfläche bis zur Rückenlehne. Als Faustregel gilt: Die Sitzfläche sollte etwa zwei Drittel der Oberschenkellänge einnehmen. Bei einer durchschnittlichen Körpergröße sind das 50 bis 55 Zentimeter. Ist die Fläche zu tief, rutscht man nach vorn, um die Lehne überhaupt zu erreichen, und der Rücken krümmt sich. Ist sie zu flach, fehlt die Auflage für die Oberschenkel und der Druck landet auf den Sitzbeinhöckern. Das Problem: Diese Fehlhaltung merkt man nicht am ersten Tag. Sie schleicht sich über Jahre ein. Wer täglich zwei Stunden auf einem falsch dimensionierten Sofa sitzt, belastet Bandscheiben und Iliosakralgelenk dauerhaft. Irgendwann kommen Verspannungen, Ischiasschmerzen oder ein Bandscheibenvorfall dazu. Wer ein Sofa richtig kaufen möchte, sollte deshalb vor dem Kauf nachmessen und nicht nach Gefühl entscheiden.
Das Nachmessen ist einfach, erfordert aber etwas Vorbereitung. Man setzt sich aufrecht hin, die Füße flach auf den Boden, die Knie im rechten Winkel. Dann misst man vom Boden bis zur Unterseite der Oberschenkel – das ist die ideale Sitzhöhe. Für die Sitztiefe misst man von der Kniekehle bis zum Gesäß. Von diesem Wert zieht man zwei bis fünf Zentimeter ab, damit die Kniekehle nicht an der Vorderkante drückt. Wer viel lümmelt oder die Beine ausstreckt, braucht mehr Tiefe, wer aufrecht sitzt, weniger. Auch die Rückenlehne spielt eine Rolle: Sie sollte mindestens 55 Zentimeter hoch sein und eine leichte Neigung nach hinten haben, damit die Lendenwirbelsäule gestützt wird. Ein Sofa, das in allen drei Punkten passt, verhindert die meisten Haltungsprobleme, bevor sie entstehen.
Im Möbelhaus sollte man niemals nur probesitzen, sondern mindestens zehn Minuten in der eigenen Sitzposition bleiben. Wer nach fünf Minuten schon das Bedürfnis hat, sich anders hinzusetzen, wird das zu Hause nach zwei Stunden bereuen. Wer unsicher ist, nimmt ein Maßband mit und prüft die Herstellerangaben direkt am Möbelstück. Viele Modelle gibt es in unterschiedlichen Tiefen, und der Verkäufer kann oft eine passende Variante bestellen. Wer gebraucht kauft, sollte die Maße vorher erfragen und mit den eigenen Werten vergleichen. Ein Sofa ist eine Anschaffung für zehn Jahre oder länger – die paar Minuten für das Nachmessen sind gut investiert.